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MEINE ERSTE REISE
Es war im Jahre 1950, also kurz nach der Währungsreform. Ich war gerade 9 Jahre alt und ging in die 3. Klasse. Nach einem Diktat, welches als gut ausgefallen galt, sagte unser Lehrer, er hätte eine Neuigkeit für uns. Er dürfte laut Beschluss vom Kultusministerium mit uns für drei Wochen in die Sommerferien fahren. Das Ziel war eine Jugendherberge in Seeburg am See am Rande des Harzes. Wir waren natürlich alle Feuer und Flamme. Jetzt wurde diskutiert und alles in herrlichen Farben ausgemalt, wie es sein würde. Die erste Frage ging darum, was nehmen wir mit und was ziehen wir an. Die Auswahl war ja noch nicht so groß wie heute. Vor allem spielte das Geldproblem eine große Rolle. Ich hatte Glück und durfte mitfahren, da mein Vater im Krieg gefallen war und ich Halbwaise war. Vater Staat war damals so freundlich und hat Geld dazu gelegt. Für viele war es ja auch die erste Reise. So auch für mich. Die Zeit rückte immer näher und die Koffer wurden gepackt. Nun war es endlich soweit und wir gingen zum Bahnhof. Unter Tränen verabschiedete ich mich von meiner Mutter, denn ich war noch nie solange alleine fort. Den anderen Mitschülern erging es aber ebenso. Nach einiger Zeit verging aber der Trennungsschmerz. Wir staunten erst mal, wie sehr doch unser Deutschland noch in Schutt und Asche lag. Aber auch über die wunderbare Naturlandschaft mit Tälern und Bergen. Wir kannten ja nur die Zechen und Eisenwerke mit ihrem üblen Gestank. Nach einiger Zeit lief dann unser Lehrer durchs Abteil, um nachzuschauen, ob alle Kinder auf ihren Plätzen waren. Es war nämlich Zeit zum Aussteigen. Jetzt gab es aber erst mal ein Problem mit dem Koffer tragen, denn der war ziemlich schwer. Bald größer als wir selber. Es musste ja Bettzeug mitgenommen werden. Kofferträger oder andere Hilfen gab es auch noch nicht. Nach einiger Zeit war es dann geschafft und wir stiegen atemlos in den Bus, der uns zum Ziel brachte. In Seeburg angekommen, wurden wir erwartungsvoll und freundlich von den Herbergseltern begrüßt. Oh je, jetzt ging es ans Betten verteilen. Wer schon mal in einer Jugendherberge übernachtet hat, kennt das Problem. Es wollte keiner unten schlafen, um nicht die öfters mal auftretenden Gerüche einzuatmen. Betten machen und Koffer auspacken stellte uns auch vor Probleme, nach einiger Zeit war aber auch dieses geschafft. Wir waren alle froh und zufrieden. Einige Rangeleien gab es noch beim Verteilen der Plätze im Speiseraum, wer setzt sich zu wem? Die erst Nacht brach an und bei einigen die Tränen aus. Unsere Betreuerin beruhigte uns dann und wir schliefen friedlich ein. Am nächsten Morgen war dann alles vergessen. Nach dem Frühstück gingen wir erst mal auf Erkundigungstour. Dabei stellten wir fest, dass der See nur ca. 1 Kilometer von der Herberge entfernt war. Also gingen wir bei schönem Wetter zum Baden. Auf diesem Wege lernte ich auch das Schwimmen. Außerdem konnte man dort auch Boot fahren, wovon wir auch reichlich Gebrauch machten, denn es war für uns umsonst. Ab und zu machten wir auch größere Fahrten mit dem Bus. So führte uns die erste Fahrt in die Kaiserstadt Goslar mit dem wunderschönen Marktplatz und dem berühmten Glockenspiel. Eine weitere Reise führte uns nach Göttingen zur Sternwarte. Mit Gesang und Gitarren-Klang durchwanderten wir auch unsere nähere Umgebung. Eine etwas größere Wanderung führte uns zur Rhumequelle, eine der größten Quellgebiete Europas. Nach diesem Marsch setzen wir uns dann noch in froher Runde beim Lagerfeuer zusammen. Es wurden einige Volkslieder gesungen. Unsere letzte große Reise führte uns noch nach Duderstadt mit seinen herrlichen Fachwerkhäusern. So vergingen unsere erlebnisreichen Ferientage. Das Wetter war gut und auch das Essen hat geschmeckt. Von unseren Herbergseltern wurden wir als vorbildliche Gruppe verabschiedet. Aber alle freuten sich dann doch auf ein Wiedersehen mit der Heimat und den Eltern.
Solche Reisen hab ich noch öfter mitgemacht und lernte auf diesem Wege einige Fleckchen von Deutschland kennen.
© 04. März 2007 - Sieglinde Mertens
Danke, Sieglinde, für deinen Beitrag!
Sachdienliche Links brachte Sieglinde auch mit: www.seeburgersee.de www.goslar.de www.goettingen.de www.karstwanderweg.de/rhumequelle www.duderstadt.de
Zur Rhumequelle habe ich dann auch noch eine interessante Homepage gefunden: www.harzlife.de/harzrand/rhume.html
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